Vollmond in Sri Lanka
Was es mit Poya auf sich hat.
In Sri Lanka sind die Tage, an denen Vollmond ist, ganz besonders. Sie richten sich nach dem buddhistischen Kalender. Es sind nationale Feiertage, an denen Schulen, Behörden und viele andere Einrichtungen geschlossen sind. Die Straßen werden festlich mit buddhistischen Flaggen geschmückt und in den Tempeln finden spezielle Zeremonien statt. Die Gläubigen meditieren, hören buddhistische Lehrreden und praktizieren Formen der Achtsamkeit und Wohltätigkeit.
Sri Lanka nimmt damit weltweit eine Sonderstellung ein, wenn es um die Verehrung des Vollmondes geht. Während in vielen Ländern Vollmonde hauptsächlich mit Naturbeobachtungen oder astrologischen Traditionen verbunden werden, besitzt jeder Vollmond in Sri Lanka eine tief verwurzelte religiöse und kulturelle Bedeutung.
Da sich die buddhistischen Ereignisse nach dem Mondkalender richten, ist jeder Vollmond (in Sri Lanka Poya genannt) einem wichtigen historischen oder spirituellen Ereignis im Leben Buddhas oder in der Geschichte des Buddhismus in Sri Lanka gewidmet.
In diesem Artikel stellen wir die Bedeutung des Vollmondes für jeden Monat vor.
Januar – Duruthu Poya
Der Vollmond im Januar, in Sri Lanka als Duruthu Poya bekannt, markiert den ersten Poya-Tag des Jahres. Der buddhistischen Überlieferung nach besuchte Buddha an diesem Poya das erste Mal Sri Lanka.
Die historische Bedeutung des Duruthu Poya
In der buddhistischen Chronik Mahavamsa ist überliefert, dass Buddha Sri Lanka etwa neun Monate nach seiner Erleuchtung besuchte. Zu dieser Zeit herrschte im Gebiet von Mahiyangana ein Konflikt zwischen verschiedenen Yaksha-Gruppen.
Buddha kam als Friedensstifter nach Sri Lanka. Durch seine Lehre gelang es ihm, den Konflikt zu beenden und die verfeindeten Gruppen zu versöhnen. Aus buddhistischer Sicht symbolisiert dieses Ereignis die Kraft der Weisheit und des Mitgefühls, selbst tief verwurzelte Konflikte zu überwinden.
Die Botschaft
Durch dieses historische Ereignis steht der Duruthu Poya Tag für Frieden, Versöhnung und geistige Erneuerung. Der Vollmond erinnert daran, dass Konflikte durch Dialog, Geduld und Mitgefühl gelöst werden können, ohne Gewalt auszuüben. Er lädt Gläubige dazu ein, ihr eigenes Leben zu reflektieren und sich auf buddhistische Werte wie Mitgefühl, Gewaltlosigkeit und Harmonie zu besinnen.
Februar – Navam Poya
Der Vollmond im Februar, bekannt als Navam Poya, erinnert an mehrere zentrale Ereignisse aus dem Leben Buddhas und der buddhistischen Gemeinschaft. Dieser Vollmond steht für Ordnung, Gemeinschaft, Weisheit und die Weitergabe der buddhistischen Lehre.
Die historische Bedeutung des Navam Poya
Nach buddhistischer Überlieferung wurden während des Navam-Vollmonds wichtige Schritte zur Stabilisierung der buddhistischen Glaubensgemeinschaft unternommen. Mit Sariputta und Moggallana wurden zwei Hauptschüler Buddhas ernannt, die entscheidend zur Bildung einer stabilen buddhistischen Gemeinschaft beitrugen. Die Lehre Buddhas sollte nicht nur von einer einzelnen Person getragen, sondern durch verantwortungsvolle Schüler bewahrt und weitergegeben werden.
Es fand die erste große Versammlung von etwa 1.250 erleuchteten Mönchen statt, die sich spontan und ohne vorherige Einladung um Buddha versammelten. Diese Zusammenkunft wird als Symbol für die Einheit und Stärke der Sangha – der buddhistischen Ordensgemeinschaft – betrachtet.
Die Botschaft
Navam Poya erinnert daran, dass spirituelle Entwicklung nicht allein durch Wissen entsteht, sondern auch durch Gemeinschaft, Disziplin und gegenseitige Unterstützung.
Der Vollmond ist Symbol dafür, dass Weisheit und Mitgefühl nur dann ihre volle Wirkung entfalten können, wenn sie im täglichen Leben angewendet werden.
März – Medin Poya
Dieser Poya-Tag steht für ein menschliches und bewegendes Ereignis im Leben Buddhas: Die Rückkehr zu seiner Familie nach der Erlangung der Erleuchtung.
Der Medin Poya rückt familiäre Beziehungen in den Mittelpunkt. Er zeigt, dass die buddhistische Lehre nicht losgelöst vom Alltag existiert, sondern gerade in den Beziehungen zu Eltern, Kindern, Verwandten und Mitmenschen eine tiefe Bedeutung entfaltet.
Die historische Bedeutung des Medin Poya
Nach seiner Erleuchtung unter dem Bodhi-Baum verbrachte Buddha zunächst mehrere Monate damit, seine Lehre zu entwickeln und seine ersten Schüler zu unterweisen. Die Nachricht über seine spirituelle Verwandlung verbreitete sich jedoch bald bis in seine Heimatstadt Kapilavastu.
Sein Vater, König Suddhodana, hatte seinen Sohn Siddhartha Gautama viele Jahre nicht gesehen. Seitdem Siddhartha den königlichen Palast verlassen hatte, um nach Antworten auf die Fragen von Leid, Alter, Krankheit und Tod zu suchen, wusste seine Familie nichts über seinen Verbleib.
Als Buddha schließlich in seine Heimat zurückkehrte, begegnete er seinem Vater, seiner ehemaligen Ehefrau Yasodhara, seinem Sohn Rahula und vielen anderen Angehörigen wieder. Diese Begegnung bildet den zentralen historischen Hintergrund des Medin Poya.
Eine der bedeutendsten Überlieferungen berichtet von der Begegnung Buddhas mit seinem Vater.
König Suddhodana hatte gehofft, sein Sohn würde eines Tages sein Nachfolger auf dem Thron antreten. Stattdessen hatte Siddhartha das königliche Leben aufgegeben und einen völlig anderen Weg gewählt.
Als Buddha nach Kapilavastu zurückkehrte, war er nicht mehr der Prinz, den sein Vater gekannt hatte. Er war nun ein erleuchteter Lehrer mit einer tiefen Erkenntnis über das Wesen des Lebens. Zunächst empfand der König Enttäuschung und Unverständnis.
Doch durch die Lehren Buddhas erkannte er schließlich die Größe des spirituellen Weges seines Sohnes. Diese Versöhnung zwischen Vater und Sohn ist ein wichtiges Ereignis des Medin Poya.
Die Botschaft
Eine zentrale Lehre dieses Vollmondes ist die Bedeutung der Dankbarkeit gegenüber den Eltern.
Im Buddhismus gelten Mutter und Vater als die ersten Lehrer eines Menschen. Sie schenken Leben, Fürsorge und Unterstützung.
Viele Buddhisten nutzen diesen Tag, um Zeit mit ihren Familien zu verbringen oder verstorbenen Angehörigen zu gedenken.
April – Bak Poya
Der Vollmond des Monats April fällt in eine Zeit, die von Erneuerung, Hoffnung und kultureller Verbundenheit geprägt ist. Der April markiert nicht nur den Übergang zwischen den Jahreszeiten, sondern auch die Periode des traditionellen singhalesischen und tamilischen Neujahrs. Der Bak Poya steht für Neubeginn. Im buddhistischen Kalender erinnert dieser Vollmond an den zweiten Besuch Buddhas in Sri Lanka. Gleichzeitig lädt er die Menschen dazu ein, über ihr eigenes Leben nachzudenken, vergangene Erfahrungen loszulassen und mit neuer Klarheit und Zuversicht in die Zukunft zu blicken.
Die historische Bedeutung des Bak Poya
Nach den buddhistischen Aufzeichnungen besuchte Buddha Sri Lanka insgesamt dreimal. Der zweite Besuch soll in der Region des heutigen Nagadeepa stattgefunden haben. Der Überlieferung zufolge waren zwei Naga-Könige in einen schweren Streit über den Besitz eines mit Edelsteinen geschmückten Thrones geraten. Der Konflikt drohte in Gewalt auszuarten und zahlreiche Menschen in Mitleidenschaft zu ziehen. Buddha erschien an diesem Ort, um eine Versöhnung herbeizuführen. Durch seine Lehre über Mitgefühl, Weisheit und die Vergänglichkeit materieller Besitztümer gelang es ihm, die Auseinandersetzung friedlich zu beenden.
Diese Geschichte bildet den spirituellen Kern des Bak Poya: Wahre Größe zeigt sich nicht im Besitz oder in Macht, sondern in der Fähigkeit, Frieden zu schaffen und Konflikte zu überwinden.
Nagadeepa als heiliger Ort
Mit dem Bak Poya ist besonders die heilige Stätte Nagadeepa Purana Vihara verbunden.
Der Tempel befindet sich auf der Insel Nainativu im Norden Sri Lankas und zählt zu den wichtigsten buddhistischen Pilgerorten des Landes. Viele Gläubige besuchen diesen Ort während des Bak Poya, um an die Friedensbotschaft Buddhas zu erinnern und Verdienste zu erwerben.
Für zahlreiche Buddhisten symbolisiert Nagadeepa die Kraft des Dialogs und die Möglichkeit, selbst tief verwurzelte Konflikte durch Weisheit und Mitgefühl zu lösen.
Die Botschaft
Da der Bak Poya in die Zeit des traditionellen Neujahrs fällt, steht er für Anfänge und ist mit Erneuerung verbunden. Es ist nie zu spät für Veränderung, um einen neuen Weg einzuschlagen.
Mai – Vesak Poya
Die historische Bedeutung des Vesak Poya
Der Vollmond im Mai erinnert an drei zentrale Ereignisse im Leben Buddhas.
- seine Geburt
- seine Erleuchtung
- sein Eintritt ins Parinirvana (endgültiges Vergehen nach dem Tod)
Nach buddhistischer Überlieferung haben alle Ereignisse am Vollmondtag im Mai stattgefunden, weshalb er eine sehr hohe Bedeutung hat.
Während der Vesak-Woche sieht man im ganzen Land festliche Dekorationen wie bunte Vesak-Laternen (Vesak Kudu) an den Gebäuden und große beleuchtete Bildtafeln (Thorana) auf Plätzen.
Entlang der Straßen stehen immer wieder kostenlose Stände (Dansal), die Eiscreme, Fruchtsäfte oder Curries anbieten. Das symbolisiert Mitgefühl und Nächstenliebe unter den Menschen.
Die Botschaft
Der Vesak-Vollmond steht für Mitgefühl, Nächstenliebe, Frieden und Gewaltlosigkeit.
Lesen Sie hier ausführlich über Vesak.
Juni – Poson Poya
Der Vollmond im Juni erinnert an die Einführung des Buddhismus in Sri Lanka.
Die historische Bedeutung des Poson Poya
Der Überlieferung nach entsandte der indische Kaiser Ashoka, seinen Sohn, den Mönch Arahat Mahinda nach Sri Lanka, um die Lehre Buddhas zu verbreiten. Die Legende besagt, dass Mahinda den damaligen König Devanampiyatissa auf dem Berg Mihintale traf, als dieser gerade auf der Jagd war. Mahinda stellte dem König einige Fragen, um seine Intelligenz herauszufinden. Nachdem der König seine Fragen richtig beantwortet hatte, erklärte Mahinda ihm die buddhistische Lehre. König Devanampiyatissa zeigte sich sehr beeindruckt von den Ausführungen, nahm den Buddhismus an und verbreitete ihn weiter. Daraufhin schlossen sich viele Menschen der neuen Religion an.
Die Botschaft
Poson steht dafür, dass Veränderung dann beginnt, wenn Erkenntnis in Handlung umgesetzt wird. Für viele Buddhisten in Sri Lanka ist der Poson-Vollmond deshalb ein Tag der Frage: „Wie kann ich heute mehr Weisheit, Mitgefühl und Achtsamkeit in die Welt bringen?“
Juli – Esala Poya
Mit dem Juli Vollmond wird der Lehre Buddhas geehrt und die 3-monatige Rückzugszeit der Mönche eingeläutet.
Die historische Bedeutung des Esala Poya
Am Esala Poya Day hielt Buddha seine erste Lehrrede. Sie wird auch als Dhammacakkappavattana Sutta („Das Ingangsetzen des Rades der Lehre“) bezeichnet.
Buddha erklärt darin:
- Die vier Edlen Wahrheiten: Die Grundlage der buddhistischen Lehre
Sie handeln vom
1. Die Wahrheit vom Leiden 2. Die Ursache des Leidens 3. Die Beendigung des Leidens
4. Der Weg zum Beenden des Leidens - Den edlen achtfachen Pfad: Er erklärt den Weg zur Überwindung des Leidens hin zur Entwicklung von Weisheit, ethischem Verhalten und geistiger Klarheit
Mit Beginn der Regenzeit beginnt um Esala die dreimonatige Rückzugszeit der Mönche. Sie bleiben in dieser Zeit überwiegend in ihrem Tempel, widmen sich der Meditation und vertiefen Studium und Praxis.
Die Botschaft
Erkenntnis allein genügt nicht, sie muss gelebt werden. Der Esala Poya wird mit folgenden Qualitäten verbunden:
- spirituelle Disziplin
- innere Klarheit
- Hingabe
- Lernbereitschaft
- Selbstreflexion
Viele Menschen nutzen diese Zeit, um ihre Meditation zu vertiefen und ihr eigenes Verhalten zu überprüfen.
August – Nikini Poya
Der Nikini Poya besinnt sich auf Vertiefung, Festigung und Weitergabe der buddhistischen Lehre und richtet den Blick auf die Entwicklung der buddhistischen Gemeinschaft und die kontinuierliche spirituelle Praxis.
Die historische Bedeutung des Nikini Poya
Die erste Ordination buddhistischer Nonnen
Nach buddhistischer Überlieferung wurde der Frauenorden durch Buddhas Pflegemutter und Tante, Mahapajapati Gotami, begründet. Die Entstehung des Nonnenordens (Bhikkhuni Sangha) wird in Sri Lanka traditionell mit der Nikini-Zeit in Verbindung gebracht. Dies wird als wichtiger Schritt angesehen, weil die Möglichkeit zur vollständigen spirituellen Praxis und Befreiung damit sowohl Männern als auch Frauen offenstand.
Fortsetzung der Regenzeitklausur (Vassa)
Nikini fällt in die Mitte der dreimonatigen Regenzeit-Retreats der Mönche.
Während dieser Zeit:
- intensivieren Mönche Meditation und Studium,
- vermeiden unnötige Reisen,
- widmen sich stärker der inneren Entwicklung.
Nikini symbolisiert daher Beständigkeit und Ausdauer auf dem spirituellen Weg.
Die Botschaft
Nikini versteht sich als ein Vollmond der Reife und stellt sich die Frage „Wie bleibe ich meinem Weg treu, auch wenn die anfängliche Begeisterung nachlässt“.
September – Binara Poya
Binara Poya erinnert vor allem an die Gründung des buddhistischen Nonnenordens (Bhikkhuni Sangha) und hebt die Rolle von Frauen auf dem spirituellen Weg hervor.
Die historische Bedeutung des Binara Poya
Nach buddhistischer Überlieferung bat Buddhas Pflegemutter und Tante, Mahapajapati Gotami, Buddha mehrfach darum, Frauen die Ordination zu ermöglichen. Zunächst lehnte er ab, doch schließlich stimmte er zu, nachdem sich Mahapajapati und ihre Begleiterinnen als ernsthafte und entschlossene Praktizierende erwiesen hatten.
Damit entstand die Bhikkhuni Sangha, die Gemeinschaft der vollständig ordinierten Nonnen. Dieses Ereignis war für die damalige Zeit außergewöhnlich, da Frauen in vielen religiösen Traditionen keine gleichwertige spirituelle Stellung hatten. Im Buddhismus wurde damit anerkannt, dass Frauen ebenso wie Männer die Erleuchtung erreichen können.
Die Botschaft
Durch die Aufnahme der Frauen in die Ordination wird gezeigt, dass alle Menschen auf dem spirituellen Weg gleichwertig sind. Mit Entschlossenheit, Hingabe und Stärke wurde es möglich, dass auch Frauen Zugang zur buddhistischen Ordination erlangen können. Der Buddhismus erkannte an, dass der Weg zur Erleuchtung nicht mit dem Geschlecht zusammenhängt.
Oktober – Vap Poya
Der Vap Poya verbindet spirituelle, historische und landwirtschaftliche Bedeutungen und steht für Dankbarkeit, Reife, Gemeinschaft und die Weitergabe der Lehre.
Der historische Hintergrund des Vap Poya
Ein wichtiges Ereignis, das mit Vap Poya verbunden wird, ist die Ankunft von Buddhas Lehre für Frauen in Sri Lanka. Nach der Überlieferung brachte Sanghamitta Theri, die Tochter von Kaiser Ashoka, den Nonnenorden von Indien nach Sri Lanka.
Sie spielte eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung des Buddhismus und der Ordination von Frauen auf der Insel.
Sanghamitta brachte außerdem einen Ableger des ursprünglichen Bodhi-Baums mit, unter dem Buddha die Erleuchtung erlangt haben soll. Dieser Baum wurde in der heiligen Stadt Anuradhapura gepflanzt und wird heute als Jaya Sri Maha Bodhi verehrt.
Für viele Buddhisten symbolisiert dieser Baum:
- Weisheit
- spirituelles Wachstum
- Kontinuität der Lehre
- Verbindung zwischen Indien und Sri Lanka.
Die Botschaft
Vap Poya lädt zur Selbstreflexion ein:
- Welche Gewohnheiten habe ich in diesem Jahr entwickelt?
- Welche Früchte tragen meine Entscheidungen?
- Welche Werte möchte ich weitergeben?
- Welche „Samen“ möchte ich für die Zukunft sähen?
Der Vollmond steht dafür, dass jeder Mensch die Zukunft durch Gedanken, Worte und Handlungen mitgestaltet.
November – Il Poya
Der November Vollmond steht für die Verbreitung des Buddhismus, der Weisssagung über den zukünftigen Buddha sowie für das Ende der Rückzugszeit der Mönche.
Die historische Bedeutung des Il Poya
Der Il Poya erinnert an mehrere Begebenheiten.
- Aussendung der ersten 60 Schüler
Nachdem Buddha seine Erleuchtung erlangt und die ersten 60 vollkommen erwachten Schüler (Arahants) ausgebildet hatte, sandte er sie aus, um die Lehre des Dhamma in die Welt zu tragen. Er forderte sie auf, „zum Wohl und Glück der vielen Menschen“ zu wirken. Damit begann die Verbreitung des Buddhismus über die ursprüngliche Gemeinschaft hinaus.
- Die Weissagung über den zukünftigen Buddha Metteyya
Nach buddhistischer Überlieferung erhielt der Bodhisattva Metteyya (Sanskrit: Maitreya) an diesem Tag die Gewissheit, in ferner Zukunft selbst ein Buddha zu werden. Deshalb steht Il Poya auch für Hoffnung auf eine zukünftige Zeit des Friedens und der spirituellen Erneuerung.
- Ende der Regenzeit-Retreats der Mönche
Der Il-Poya-Tag markiert das Ende der dreimonatigen Regenzeitklausur (Vassana oder Vas), während der die Mönche traditionell in ihren Klöstern bleiben, meditieren und intensiv studieren. Nach Abschluss dieser Zeit finden vielerorts feierliche Zeremonien statt.
Die Botschaft
Il Poya symbolisiert den Übergang vom Lernen zum Weitergeben. Während viele andere Poya-Tage an historische Ereignisse erinnern, steht Il Poya besonders für die Verantwortung, Wissen, Mitgefühl und Weisheit mit anderen Menschen zu teilen. Die Aussendung der ersten 60 Schüler gilt als Beginn einer weltweiten Verbreitung der Lehre Buddhas.
Dezember – Unduvap Poya
Dieser Poya-Tag ist eng mit der Einführung des buddhistischen Nonnenordens und der Ankunft eines der größten Heiligtümer Sri Lankas verbunden: des heiligen Bodhi-Baum.
Die historische Bedeutung des Unduvap Poya
Die Ankunft von Sangamitta gilt als Meilenstein in der Geschichte des sri-lankischen Buddhismus, da sie den Bhikkhuni-Orden (Orden der buddhistischen Nonnen) auf der Insel gründete. Damit erhielten Frauen erstmals die Möglichkeit, ein voll ordiniertes religiöses Leben nach buddhistischen Regeln zu führen. Viele Tempel veranstalten deshalb an diesem Vollmondtag besondere Programme für buddhistische Frauen und Nonnen.
Sanghamitta brachte einen Ableger des ursprünglichen Bodhi-Baumes mit, unter dem Buddha in Indien die Erleuchtung erlangt haben soll.
Dieser Ableger wurde in Sri Maha Bodhi in der heiligen Stadt Anuradhapura gepflanzt.
Der Baum gilt als der älteste dokumentierte, von Menschen gepflegte Baum der Welt. Seit mehr als 2.200 Jahren wird er ununterbrochen verehrt und geschützt. Für Buddhisten Sri Lankas ist er eines der heiligsten religiösen Symbole überhaupt.
Die Botschaft
Unduvap Poya steht für die Weitergabe der Lehre Buddhas über Generationen hinweg. Der heilige Bodhi-Baum symbolisiert Weisheit, Beständigkeit und Erleuchtung. Gleichzeitig erinnert die Ankunft Sanghamittas daran, dass der buddhistische Weg Männern und Frauen gleichermaßen offensteht.
Dagmar Heuberger
Director Srilight Travel
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