Unterwegs in Ella

Bahnhof in Ella

Unser 4-Tages Ausflug vom Süden in die Berge

Ella war lange ein ruhiges Bergdorf im Hochland der Provinz Uva. Heute gehört es zu fast jeder Sri Lanka Rundreise, und das hat seinen Grund: Wer gern wandert und draußen unterwegs ist, findet hier einen idealen Ausgangspunkt, mit Teeplantagen, Aussichtspunkten, Abenteuerparks, Tempelanlagen und der berühmten Bahnstrecke direkt vor der Tür.

Wir waren drei Tage in Ella unterwegs. Hier lesen Sie, was wir gemacht haben und was sich für uns gelohnt hat.

Tag 1: von Weligama nach Ella

Wir starten unseren 4‑Tages-Ausflug nach Ella am Nachmittag von Weligama, im Süden der Insel. Über den Highway geht es durch die weite, immergrüne Landschaft. Die Berge im Hintergrund rücken näher und nach circa zwei Stunden führt die Strecke über Serpentinen hinauf nach Ella. 

Kleine Tee-Kades – Kade ist singhalesisch für Shop – laden zum Anhalten ein, um die Aussicht zu genießen. Für alle, die Hunger haben, empfiehlt es sich hier, die berühmten Pol Rotis (Kokosnussroti) mit Chilipaste, Gemüserotis oder ein Rice & Curry zu probieren. 

Nach einer der endlos-scheinenden Kurven, direkt an der Straße zwischen Wellawaya und Ella, taucht ein riesiger Wasserfall vor uns auf. Wir haben Glück und sind die einzigen heute am Ravana Ella – Ella ist singhalesisch für Wasserfall. 

Ravana Wasserfall
Ravana Wasserfall

Ravana Wasserfall

Der Wasserfall ist einer der breitesten des Landes. Hier fällt das Wasser rund 25 Meter tief von einem ovalen, konkaven Felsvorsprung, auf etwa 1.050 Metern über dem Meer. Gespeist wird er von einem Zufluss des Kirindi Oya.

Benannt ist er nach dem mythischen König Ravana aus dem Ramayana. Der Legende nach versteckte Ravana die entführte Prinzessin Sita in den Höhlen hinter dem Wasserfall, heute als Ravana Ella Cave bekannt. Außerdem soll Sita im Becken unter dem Wasserfall gebadet haben.

Wir steigen aus, bestaunen den Wasserfall von der Straße aus und laufen anschließend ein paar Felsen hoch, um unsere Hände direkt ins Wasser zu halten. Von dieser Seite haben wir einen wunderbaren Blick Richtung Berge, während über uns die späte Nachmittagssonne den letzten Teil der Gipfel anstrahlt. 

Zurück im Auto erreichen wir nach 20 Minuten Fahrt Ella. Der Kern des Ortes ist eine Straße, die sich vorbei an Restaurants, Bars und Shops schlängelt. Unser Hotel liegt auf der anderen Seite des Berges, sodass es noch ein wenig weitergeht. Angekommen, genießen wir den Blick auf die Berge Little Adam’s Peak und Ella Rock sowie den Kithal Ella Wasserfall. Mit dieser herrlichen Aussicht essen wir zu Abend. Viele der Hotels haben eigene Restaurants, die auch für Nicht-Hotelgäste geöffnet haben. Wer es trubeliger mag, geht wieder hinunter nach Ella und probiert eines der vielen Restaurants hier.

Blick vom Ravana Wasserfall am frühen Abend
Blick zum Little Adam's Peak und Ella Rock
Blick zum Little Adam'S Peak und Ella Rock

Tag 2: Little Adam’s Peak & Mahamevnawa Buddhist Monastery

Wir wachen mitten in den Wolken auf. Es ist September und wolkenverhangene Berge sind keine Seltenheit. Wir freuen uns, dass es nicht regnet, und brechen nach einem stärkenden Frühstück auf. Erste Station: Little Adam’s Peak. 

Little Adam’s Peak

Vom Ortskern läuft man circa 15 Minuten bis zum Eingang. Es ist eine Weile her, dass wir hier waren, und so gibt es selbst für uns Neuerungen entlang des Aufstiegs. Wer möchte, kann sich mit dem Tuktuk bis zum Ravana Adventure Park bringen lassen und die Wanderung von hier beginnen. Wir sind jedoch hoch motiviert und starten zu Fuß. 

Durch Teeplantagen geht es, teilweise über Treppenstufen, circa 20 Minuten bergauf zum Ravana Adventure Park. Mittlerweile gibt es hier ein Café, Toiletten, den Ravana Club und einen Adventure Park, in dem man Ziplinen, Bouldern, Bogenschießen und diversen anderen Aktivitäten nachgehen kann. 

Weiter geht es über engere Wege, bis man auf circa 1.141 Metern (ca. 150 Höhenmeter vom Beginn des Aufstiegs) nach 40 Minuten den Gipfel erreicht. Die Form des Berges erinnert an den großen Adam’s Peak, daher auch der Name Little Adam’s Peak. Oben angekommen, spazieren wir über mehrere Gipfel und genießen die wundervolle Aussicht über Ella und die ganze Region, denn inzwischen ist der Himmel aufgeklart. Für alle die möchten, gibt es selbst hier oben eine Kokosnuss und diverse andere Getränke. 

Gut zu wissen: Beliebt ist der Aufstieg zum Sonnenaufgang oder -untergang. Der Weg ist sehr beliebt, man ist also selten allein.

stärkendes Frühstück
stärkendes Frühstück, sri lankanisch und westlich
Blick auf den Little Adam's Peak
Aufwachen in den Wolken mit Blick auf den Little Adam's Peak
Stände oben am Adam's Peak
Stände oben auf dem Adam's Peak
Blick vom Little Adam's Peak
Blick vom Little Adam's Peak

Nach einer Verschnaufpause treten wir den Rückweg an und besuchen unten im Dorf Dilani. Dilani bietet in ihrer Kochschule Relish Ella Kochkurse an, die wir auch regelmäßig für unsere Gäste organisieren. Kochen werden wir heute nicht, aber wir trinken einen Tee und einen Mangolassi, bevor wir zurück ins Hotel fahren. 

Dilani von Relish Ella
Dilani und Dagmar. Dilani bietet Kochkurse in Ella an.
Kochkurse bei Relish Ella
Relish Ella, unsere Partnerin für Kochkurse in Ella

Mittagessen mit Aussicht: Wenn es eins gibt, was wir an Ella besonders genießen, dann ist es der Ausblick, den man von fast überall hat. Man schaut einfach in das satteste Grün, beobachtet Adler, wie sie über dem Tal schweben, hört Wasserfälle in der Ferne und kann stundenlang einfach nur ins Weite blicken. 

Mittagessen mit Aussicht
Mittagessen mit Aussicht

Nach genau so einer Mittagspause machen wir uns auf zum zweiten Ziel des Tages, dem buddhistischen Kloster. 

Mahamevnawa Buddhist Monastery

Was uns auffällt: In Ella gibt es immer mehr Schilder, die auf Orte zum Meditieren hinweisen. So auch im Mahamevnawa Buddhistischen Kloster, das hoch oben auf einem der Berggipfel liegt. Den ganzen Tag über finden hier zu verschiedenen Uhrzeiten Meditationen mit einem buddhistischen Mönch statt, an denen man teilnehmen kann. Auch Workshops und Talks zum Thema Buddhismus kann man hier besuchen. Bisher ist die Teilnahme noch kostenfrei – die Tempelanlage freut sich allerdings über Spenden. Spendengelder sind es auch, die den Bau dieses Tempels ermöglicht haben. 

Wunderschön bemalt ragen der Tempel und die große weiße Stupa in den Himmel. Elefanten mit Gold, Rot und Türkis verziert weisen den Eingang, der über Treppen in die weitläufige Anlage führt. Eine Halle zum Innehalten ist rund um den Bodhibaum gebaut, daneben eine Bibliothek und eine begehbare Stupa, die Teile der buddhistischen Geschichte erzählt. Wir sitzen eine Weile in Stille und saugen die friedliche Atmosphäre in uns auf. Außer uns sind nur wenige andere Menschen vor Ort – der Vorteil, wenn man in den ruhigen Monaten wie September und Oktober hierher reist. 

Zurück laufen wir 3km bergab, bevor wir mit dem Auto zurück ins Hotel fahren. 

Mahamevnawa Buddhist Monastery
Mahamevnawa Buddhist Monastery
Aussicht vom Mahamevnawa Buddhist Monastery
Aussicht vom Mahamevnawa Buddhist Monastery

Tag 3: Pekoe Trail Abschnitt 16, von Ella nach Demodara

Das Wetter wird immer besser und so wachen wir am nächsten Morgen zu klarer Sicht und Sonnenschein auf. Perfekt für unser Vorhaben: Abschnitt 16 vom Pekoe Trail zu erwandern, von Ella nach Demodara. 

Pekoe Trail

Der Pekoe Trail ist Sri Lankas erster Fernwanderweg. Er führt über gut 300 km in 22 Etappen durchs zentrale Hochland, von Hanthana bei Kandy bis in die Gegend von Nuwara Eliya. Benannt ist er nach einer berühmten Schwarzteesorte aus jungen Blättern: Pekoe. 

Auf 22 Etappen führt Sie der Wanderweg durch einige der beeindruckendsten Berglandschaften Südasiens, durch üppige Teeanbaugebiete und vielfältige Ökosysteme. Unterwegs passieren Sie abgelegene Dörfer und lernen die Traditionen, Gastfreundschaft und Kultur der Einheimischen kennen – was jede Etappe zu einem bedeutungsvollen und abenteuerlichen Erlebnis macht. 

Der Pekoe Trail wurde im Rahmen des „Tourism Resilience Project“ konzipiert, einem dreijährigen Programm, das von der Europäischen Union mit Unterstützung von USAID finanziert wird, um dem Tourismussektor Sri Lankas nach der Pandemie und der Wirtschaftskrise wieder auf die Beine zu helfen. Zwischen 2021 und 2024 kartierten die Berater des Projekts bestehende Plantagenwege, Dorfpfade und Kulturerbe-Routen und verbanden sie zu einem durchgehenden, 300 Kilometer langen Wanderweg.

unterwegs auf dem Pekoe Trail
Durch Teeplantagen auf dem Pekoe Trail

Abschnitt 16: Von Ella nach Demodara

Dieser Abschnitt des Pekoe Trails wird als Einstiegslevel ausgeschrieben. Er ist 9,5 km lang und soll 3 Stunden dauern. Vom Ortskern Ella aus wandern wir bis zum Eingang der Nine Arches Bridge. Hier geht es durch Nadelwälder auf schmalen Wegen in 15 Minuten hinunter zur berühmten Brücke. 

Nine Arches Bridge

Die berühmte Brücke, aus Zement, Stein und Ziegeln gebaut, verbindet zwei Berghänge miteinander. Sie hat neun Bögen, ist rund 90 Meter lang, 7,6 Meter breit und 24 Meter hoch. Hier verläuft die Bahnstrecke Colombo – Badulla. 

Über die Brücke führt der Weg durch kleine Dörfer, bevor wir in endlose Teeplantagen einbiegen. Ab hier ist das Wandern meditativ. Ab und zu passieren wir kleine Häuser, an denen es Tee, Wasser oder Snacks gibt. Der Hauptteil der Route ist jedoch einfach nur sattes Grün. Wir begegnen lediglich zwei anderen Wanderern – ein gutes Kontrastprogramm zum belebten Little Adam’s Peak. 

Endpunkt ist der Bahnhof Demodara, bekannt für den Demodara Loop, bei dem die Bahnstrecke in einer Spirale unter sich selbst hindurchführt. Wir erreichen diesen Punkt nach 3 Stunden Wanderung. Von hier kann man mit dem Zug, per TukTuk oder mit dem Auto zurück nach Ella. Wir werden von unserem Fahrer abgeholt und direkt nach Ella gefahren. 

Das Nachmittagsprogramm ist ganz unserer Erholung gewidmet: Wir haben uns vorab eine Massage gebucht und lassen den Tag damit und einem schönen Abendessen ausklingen. 

Blick vom Pekoetrail auf die Nine Arches Bridge
Blick vom Pekoe Trail auf die Nine Arches Bridge
Pekoe Trail Markierung
Pekoe Trail Markierung
Panorama Aussicht vom Pekoe Trail
Panorama Blick vom Pekoe Trail
Ziel erreicht nach drei Stunden Wanderung: Demodara
Ziel erreicht nach drei Stunden Wanderung: Demodara

Tag 4: Shopping und Rückfahrt 

Wir merken die Wanderungen der letzten Tage in den Knochen. Etwas müde, aber happy spazieren wir morgens noch durch Ella, kaufen ein paar Kleinigkeiten und treten dann die Rückreise in den Süden an. 

Fazit: 

Unser Hauptziel der Reise war es, den Pekoe Trail zu erwandern. Wir sind total begeistert und wollen weitere Abschnitte dieses langen Wanderweges erkunden. Little Adam’s Peak ist immer einen Aufstieg wert. Wer allerdings eher ohne viel Getümmel wandert, dem empfehlen wir andere Wanderrouten rund um Ella, wie zum Beispiel den Aufstieg zum Ella Rock oder die Pekoe Trail Abschnitte 15 und 16. 

Das buddhistische Kloster ist definitiv eine weitere Empfehlung von uns für alle, die Lust auf Besinnung, Stille, tolle Aussichten und buddhistische Geschichte haben. 

 

Sonstige Ausflüge und Sehenswürdigkeiten rund um Ella

  • Lipton’s Seat — Berühmter Aussichtspunkt umrundet von Teeplantagen. 
  • Ravana Cave Temple — Die Höhle aus der Ravana-Legende, über viele steile Stufen erreichbar. 
  • Ella-Rock — Halbtageswanderung, teils entlang der Bahngleise, steiler und deutlich ruhiger als Little Adam’s Peak.
  • Kithal Ella — ein Wasserfall auf dem Weg zum Ella Rock
  • Uva Halpewatte Tea Factory – Teefabrik nahe Ella mit Führungen, bei denen man die Verarbeitung vom Blatt bis zum fertigen Tee sieht.
  • Namunukula – Einer der höchsten Berge der Region, eine längere Wanderung mit Weitblick über das Uva-Hochland.

Bild von Dagmar Heuberger
Dagmar Heuberger

Director Srilight Travel

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